Zwischen Erdbeeergrün und Meeresrauschen

Meine Schienbeine brennen. Wenn ich sie gegeneinander reibe, brennen sie noch mehr. So, als würde man im Kamin noch ein Stück Holz auflegen und es mit Kaminanzünder anfeuern, damit es den Weg durch den Schornstein noch schneller findet. Aber ich habe mich bereits daran gewöhnt. Fast in jedem Sommerurlaub gelingt mir das Kunststück, mir in kürzester Zeit einen Sonnenbrand zuzulegen. Bloß ist es diesmal anders: Kein „Ich hab’s dir ja gesagt“, kein „Hier, nimm‘ dir lieber schnell die After-Sun und reib dich beim nächsten mal besser mit Sonnenmilch ein“. Ich bin allein. Wenn meine Haut verbrennt, verbrennt sie einfach.

Es ist der 16. Febrauar, sieben Uhr morgens. Geweckt vom Meeresrauschen und dem Schlachtruf aufgeregter Vögel wendet sich mein Blick dem Fenster entgegen. Was ich sehe, kann mir kein Luxushotel der Welt bieten: unberührte Natur, wenige Meter bis zum Ozean, der, wenn ich ihn durchschwimmen könnte, mich bis hin zur Antarkits treiben würde. Ich wälze mich noch einmal von rechts nach links, wo mich eine Reihe von Erdbeerresten erwartet, die ich heute Nacht verspeist habe. Mein Vorhaben, mich auf meiner Reise durch Australien größtenteils nur von Früchten und Gemüse zu ernähren, geht bisher wirklich gut auf. Ich fühle mich frisch, frei und beflügelt an diesem Morgen. Mit ein paar Handgriffen entsorge ich die Reste des nächtlichen Hungers und strukturiere meinen Tag.

Ein Gefühl der Unabhängigkeit durchdringt mich. Unabhängigkeit von Zeit, Raum, Zielen und Plänen. Ich darf einfach nur sein. Weil niemand dort ist, der mich treibt und auch ich Schritt für Schritt lerne, mich selbst in meiner schlichten Existenz zu akzeptieren. Und so ist auch die Struktur meines Tages eine Simple: Reduziert auf das absolute Minimum. Was in Deutschland einen volle To-Do-List bedeuten würde – der Tag hat immerhin 24 Stunden, die sollen genutzt werden! – oder ein mit Aufgaben vollgestopfter Business-Kalender, ist hier nichts anderes als eine Aneinanderreihung der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse: Wach werden, Essen, Duschen. Das ist mein Plan. Nicht mehr. Kein gezwungenes Blogartikelschreiben, keine notgedrungenermaßen YouTube-Aufnahmen nach System und Konzept, keine Ausarbeitungen von Businessideen und deren Umsetzung. Just das pure Leben. Das ist mehr als wundervoll. Das ist lebenswert.


Wenn du im Paradies nach dem Warum fragst, gibt es dir tausend Gründe.

Natürlich gibt es genauso Situationen, in denen du dich fragst: „Was machst du eigentlich hier? Deine Lieben sind zu Hause. Miteinander. Und du Vollpfosten setzt dich ans andere Ende der Welt.“ Manch einer würde sagen, du könntest heulen. Was machst du in so einer Situation? Umkehren? Nach Haus‘ fahren?

Nein. Nichts dergleichen. Du besinnst dich, warum du das hier tust, was es dir gibt und was du der Reise gibst. Du besinnst dich darauf, dass örtliche Faktoren und Abstände bloß illusorisch wirken, dass alles mitainander zusammenhängt. Und übst dich in Dankbarkeit.

Zugegeben: Bei allem, was ich gestern erleben durfte, gab es diese eine Situation. Nachdem meine Hoffnung, mir nichts dir nichts auf der Straße einem Känguru zu begegnen für’s Erste dahin war, meine Erwartungen an die australische Natur dagegen schlichtweg maßlos übertroffen wurden, erreiche ich letztlich mein Nachtlager. Nichts besonderes. Einfach ein Stellplatz für meinen etwa 2.65m hohen Gefährten. Direkt am Wasser. Voller Freiheit. Noch nie habe ich so große Freiheit gespürt wie in diesem Moment. Und genau das ist es, was mich vor diese unbekannte Emotion stellen sollte: Wie gehe ich mit einer totalen Selbstbestimmung um, in der mich niemand und ich niemanden zum Handeln oder Kommunizieren verleite? In der ich tun und lassen kann, was ich will – ohne dass sich auch nur irgendjemand gestört fühlt. Mein deutsches Umfeld schläft gerade. Niemand ist da, um zu kommunizieren. WhatsApp ist tot. Ich bin allein.

Wie gerne würde ich nun unter die Decke eines geliebten Menschen krabbeln und einfach in körperlicher Nähe vor mich hin schlummern. Wie gern würde ich diesen einen Menschen lächeln sehen oder mit meiner Familie zu Abend essen. Und doch ist all das so weit weg. Was aber würde ich mir raten, wenn ich mich selbst um Rat fragen würde? Genau diese Frage ist der Schlüssel.

Ich würde mir raten, nicht aufzugeben. Mich darauf zu fokussieren, warum ich das hier tu‘ und was eigentlich der Sinn es Ganzen ist. Wer wäre ich schon, wenn ich tagtäglich irgendwelche Lebensweisheiten verteile und mich doch selbst in einer negativen Emotion gefangen nehme? Ich beginne, mich neu zu ordnen. Einmal durchschütteln, registrieren, dass ich genau dort bin, wo ich seit einem halben Jahr hinwollte. Genau dort. An diesem Nachtlager, an diesem Strand. Rapid Bay.

Wie also ist es mir gelungen, mich aus diesem etwa halbstündigen Tief herauszuholen? Im Nachhinein sind es fünf ganz klare Schritte:

  1. Besinne dich darauf, was deine Intention war, zu tun, was du tust.
  2. Notiere schriftlich für wen und wofür du dankbar bist – ganz egal ob Mensch, Tier oder eine noch so klein erscheinende Kleinigkeit.
  3. Versetze dich in einen gewohnten Zustand. Bei mir waren es zwei Folgen Two and a half Men und mein Mindset lief wieder im gewohnt positiven Rahmen.
  4. Bewege dich. Biete deinen Sinnen neue Eindrücke und mache dir bewusst, wie wunderbar alles ist. Sei dankbar, dass du hier sein darfst. Tauche deine Füße ins Meerwasser, dreh‘ eine Runde dort, wo du bist.
  5. Wenn du immernoch etwas wehmütig Richrung Heimat blickst, plane die nächste Zeit mit deinen Lieben. Ich persönlich habe das zwarunabhägnig und nach meinem kleinen Anfangstief getan, dennoch merke ich, wie viel Kraft dir neue Vorhaben geben.

Du solltest dich also einfach fragen, warum du etwas tust. Dabei gilt jede Antwort, egal, was es sein mag. Es darf sein. Und du wirst sehen, dass es mehr als tausend Gründe gibt, das zu tun, was du gerade tust. Versprochen.
Natürlich wäre es Wahnsinn, alle Gedanken und Erlebnisse des gestrigen Tages in nur einen Artikel zu fassen. Deshalb: Keep cool, bei der nächsten Eingebung geht’s weiter!


Love your Life, it’s wonderful! Every Emotion, every single Day.


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  1. Ich mag Deinen Blog….wooow

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  2. Mega! Richtig schön 🙂

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    1. Danke! 🙂

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