Von Vögeln in der Dusche

Heißes Wasser läuft an meinem nackten Körper herunter. Tropfen für Tropfen erreicht langsam den von Schaum bedeckten Boden. Meine Schienbeine brennen noch vom Restsonnenbrand, doch das ist gerade egal. Die Luft ist heiß, das Wasser brennt auf der Haut. Gleich. Gleich ist es soweit. Ich bin fast fertig. Fast, nur noch ein paar Sekunden. Jetzt… Doch Halt! Was ist das? Ein lautstarkes Krächzen zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Was war das?

Ehe ich mich versehe steht ein etwa der Größe einer Melone entsprechender Vogel vor mir. Mitten im Duschraum. Als wollte er sagen „Seht her, seht her – der Typ da ist nackt!“ dürfte er mit seinem Gebrüll jeden noch so tief schlafenden Campingfreund geweckt haben. Nach kurzer Schockstarre vertreibe ich den Eindringling aus der Dusche und putze anschließend meine Zähne.

Falls du hier auf ein sexuell anregendes Szenario gehofft hast – es sei dir vergeben. War nur ein Piepmatz.


Back to the Roots: Wie sich Selbstverständlichkeit in Luft auflöst

„Warte, ich muss nur noch kurz duschen.“ – Wie oft starten wir unseren Alltag mit genau diesem Satz. Eigentlich nichts besonderes. Wir stellen uns in eine enge Kabine und lassen literweise Wasser auf unseren Körper prasseln. Um uns noch einen anregenden Duft zu verleihen, übergießen wir uns Schritt für Schritt mit Chemikalien, die uns vermeinlicherweise versichern, dass wir danach rein sind wie eh und je. Dass die Augen nicht mehr tränen, sollte die pure Chemie unsere wertvollen Augäpfel erreichen. Dass wenn Mats Hummels das Shampoo benutzt, es gut sein muss. Dass wenn Bibis Gesicht darauf prangert, quasi nur ein Mix aus Milch und Honig enthalten sein kann. Und vor allem, dass wir ohne einen morgendlichen Chemie-Smoothie auf unserem größten Organ geradezu unhygienisch und abstoßend auf andere Menschen wirken. Eben nicht wie Mats Hummels. Oder Bibi. Wir sind übersensibilisiert.

Versteh‘ mich nicht falsch. Ich mag den Duft von Bibis Bilou, wenn auch nicht an meinem Körper, und habe auch schon das ein oder andere Mal aus der Not heraus zu Mats Hummels vermeintlichem Lieblongsshampoo gegriffen. Dennoch wissen wir bei allen künstlichen Zusätzen eine elementare Sache nicht zu schätzen: Wasser. Schließlich haben wir es überall. In Flaschen und Dosen, aus dem Wasserhahn, in der Spülmaschine, im Hallenbad, in der Badewanne, im Auto. Wo wir auch sind, wir können weder verdursten noch uns nicht waschen. Das ist auch gut so, keine Frage.

Aber weißt du – bitte sei ganz ehrlich – diese Ressource noch zu schätzen? Wir müssen uns mittlerweile die Hände eincremen, weil sie vor lauter Wasser spröde werden. Bist du dir bewusst, wenn du morgens unter die Dusche steigst, welch enormen Luxus du in diesem Moment genießen darfst? Dankst du dem lieben Gott, dem Universum, wem auch immer, dafür, wenn einfach so Wasser aus dem Hahn fließt? Womöglich nicht. Und das ist auch gar nicht schlimm. Wahrscheinlich hast du dich schon so sehr daran gewöhnt, dass es dir nur noch dann auffällt, wenn du keine Dusche am Morgen bekommen kannst oder maximal kaltes Wasser zur Verfügung hast. Du bemerkst erst, was du an den Dingen hast, wenn sie dir fehlen oder du in besonders hohem Maße darauf Acht geben musst.

Mit Ressourcen umgehen lernen

Während den ersten drei Tagen meiner Reise ist mir eines bewusst geworden: Es geht mit so viel weniger. Mit weniger Nahrung, weniger Strom, weniger Wasser, ja sogar mit weniger Kleidung. Aber nur dann, wenn du achtsam lebst und Dinge zu schätzen weißt.

Zugegeben, vor einigen Monaten wäre ich der Letzte gewesen, der sein angenehmes Leben, seine Firma und seine heimische Wohnung an den Nagel hängt, um im Camper durch die Welt zu reisen. Ohne fließendes Wasser, ohne unbegrenzten Strom und ohne MacBook. Und doch war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Selbst wenn die atemberaubende Natur nicht wäre, das Wetter mies und mein Geld futsch. Eine Sache lerne ich in diesen Tagen auf jeden Fall: Achtsamkeit.

Besonders der Umgang mit Wasser fasziniert mich: Wenn wir bewusst damit umgehen, keine Stunden oder Tage lang duschen, planschen oder den Rest aus der Wasserflasche in die Blumen gießen, weil er schon zwei Tage dort steht, werden wir diese Ressource wieder zu schätzen wissen. Nicht nur auf der Monatsabrechnung der Wohnung, sondern auch im Alltag. Wer die Dinge zu schätzen lernt und bewusst nutzt – sei es Wasser, Strom oder Nahrung – fühlt sich selbst besser. Bewusster. Und tatsächlich lebendiger. Denn wenn du mit den Dingen, die dir die Erde schenkt, ganz bewusst umgehst, gehst du auch bewusster mit dir um. Alles hängt mit allem zusammen. So ist das eben.

Wer nicht bewusst isst und gegen die Signale seines Körpers handelt, wird dick. Wer sich nicht bewusst anderen Menschen zuwendet, bleibt allein. Wer sich nicht bewusst macht, was er vom Universum haben möchte, bleibt unzufrieden. Und wer die grundlegenden Ressourcen  nicht zu schätzen weiß, weiß den Wert der Erde nicht zu schätzen. Wer im Übermaß lebt und von allem zu viel hat (zu viel ist immer ins Verhältnis zu setzen), wird unglücklich.

Mache dir also bewusst, welchen Luxus du genießt, wenn sich am Morgen der Duschkopf ans Werk macht. Sei dir jeden Tag darüber bewusst, wofür du dankbar sein musst und sein darfst. Nichts ist selbstverständlich. Nicht einmal das Wasser, das dich morgens säubert.


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