Wie wir auch aus positiven Emotionen lernen

Bedeutet Schmerz immer Wachstum? Oftmals wird uns heute suggeriert, dass aus Schmerzen in der Regel Wachstum werden würde: Muskeln brauchen den gewissen Anreiz, um zu wachsen, die meisten Menschen lernen aus Fehlern und in früheren Zeiten hat man Kinder noch geschlagen, damit sie etwas lernten. Aus einer gescheiterten Beziehung lernt man und geht ein Stück aufrechter und nur, wer einmal die heiße Herdplatte angefasst hat weiß, dass er das wohl besser nicht mehr tun würde.

Bei mir war es ein Bügeleisen. Anstelle einer Herdplatte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass dieses komisch geformte Teil von unten derart heiß sei, dass es meine Hand verbrennen könnte. Noch nie hat etwas meine Hand verbrannt. Warum also dieses Ding?
Auf einen Schlag legte ich meine gesamte Handinnenfläche auf die hochkant stehende Unterseite des noch warmen Eisens – und zack! Schmerz, Überraschung, Frust, Wut. Alles auf einmal. Ich wickelte mich für die nächsten zwei Stunden in die Gardine des Schlafzimmers meiner Eltern ein und kam nicht eher wieder heraus, bis der Schmerz nachgelassen hatte. Ich war etwa sechs Jahre alt.

Schlüsselerlebnisse in Australien

Ich glaube, so eine Situation hat jeder von uns schon einmal erlebt. „Kinder werden nur aus Schaden klug“, habe ich mal jemanden hören sagen. Doch wie steht es um uns als Erwachsene? Brauchen wir immer noch diesen klassischen Schmerz, um uns selbst zu entwickeln?

Seelische Schmerzen in Mount Gambier

Es war der schätzungsweise fünfte Tag auf meiner Australien-Tour, als mich meine Gefühle übermannten. Noch nie war ich überhaupt auf einem anderen Kontinent als Europa gewesen, geschweige denn allein. Und doch hatte mich meine innere Stimme irgendwie dazu verleitet, diese Reise anzutreten.
An jenem Tag fuhr ich an den südlichsten Zipfel von South Australia, direkt in Richtung Mount Gambier, wo ich die Nacht verbringen würde. Ich pflegte eine recht einseitige Unterhaltung durch das Abspielen diverser Podcasts, um die kurzzeitig bedrückend wirkende Stille aus meinem Auto zu verbannen. Doch irgendwann ist auch der längste Podcast vorbei und auch die breiteste Playlist durchgespielt. Spätestens dann, wenn man das Auto verlassen muss, um das nächstgelegene Touri-Highlight zu besichtigen. Und letztlich kam, was kommen musste. Mein emotionaler Ausbruch.

Ich fühlte mich allein, stellte alles in Frage und vermisste Gott und die Welt. Die Frage, warum ich mir all das antat, schoss mir in unendlich vielen Fassungen durch den Kopf. Tränen rannen meine Wangen hinab und ich gab mir größte Mühe, diese vor vorbeiziehenden Autofahren zu verbergen. Und das, obwohl ich jene weder kannte noch wiedersehen wollte. Ich wollte mir selbst meine Emotionen nicht eingestehen. Die Emotionen, die mir in diesem Moment suggerieren wollten, all das sei ein Fehler gewesen.

Doch das war es nicht. Ganz im Gegenteil. Alles, was mir mein vermeintlicher Schmerz suggeriert hatte, war meine Interpretation der unzähligen neuen Einflüsse, die auf mich einprasselten. Hätte ich die Situation anders bewertet und nicht den Gedanken „Um Gottes Willen, ich bin so allein“ aufgebaut und gedüngt, sondern mir die unglaublich vielen positiven Assoziationen dazu ins Gewissen gerufen, wäre der Effekt derselbe gewesen – nur eben weniger schmerzhaft: Ich entschloss mich letztlich dazu, meine Zeit zu genießen und kam nach einer kurzen Trauerphase von wenigen Stunden in einen Zustand voller Motivation und Dankbarkeit. Man könnte also sagen, ich bin aus meinem Schmerz heraus gewachsen.

Wir lernen entweder aus Freude oder Schmerz. Die Meisten lernen aus Schmerzen.

Doch ich bin überzeugt, dass dieses Wachstum auch anders möglich gewesen wäre. Hätte ich diese Situation anders bewertet und ausgelegt, wäre der Effekt derselbe gewesen und mit der richtigen Intensität meiner positiven Gedanken sicher auch genau so intensiv wie der durch Schmerz entstandene Endzustand.

Negative Gedanken oder Emotionen spüren wir schneller und intensiver, das ist mittlerweile nachgewiesen. Positive hingegen benötigen eine höhere Frequenz an Anreiz, um in derselben Intensität spürbar zu sein. Demnach müsste es doch genauso möglich sein, aus positiven Emotionen zu lernen wie aus negativen bzw. aus Schmerzen, oder?

Sydney, die Harbour Bridge und das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben

Dies würde zumindest erklären, warum mich dieselbe Intensität an Emotion in Sydney überkam, als ich gegenüber der Skyline links neben der Harbourbridge auf einer Parkbank saß und endlich feststellte, es tatsächlich getan zu haben. Zuvor pflegte ich in derselben Konzentration während meiner Autofahrt in die australische Metropole positive Gedanken und Emotionen. Und der Wachstum im beschriebenen Schlüsselmoment war derselbe wie einige Wochen zuvor in Mount Gambier.

Warum sollte ich mich also länger einem schmerzhaften Gedanken hingeben, wenn ich genauso gut positive Denkweisen formen kann – und denselben Lerneffekt erzielen kann?

Sicherlich ist es in manchen Fällen richtig und weise, dass der Mensch aus seinen Fehlern lernen und aus einem Schmerz heraus wachsen kann. Doch dass dieselben Ergebnisse aus positiven Gedanken erzielt werden können, bleibt den meisten Menschen ein Leben lang verborgen.


Willst du mehr?

Dann trage hier deine Mailadresse ein und ich schicke dir mein kostenloses Buch per Mail zu!
Über 50 Seiten voller Inspirationen, Geschichten und Erfahrungen aus aller Welt. Reisefieber garantiert! Worauf wartest du?

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: