Der beliebteste Kalenderspruch weltweit

„Lass dir Zeit“, „Nimm dir einen Moment“, „Genieße den Augenblick“: In nahezu jeder Buchhandlung weltweit durfte ich nun diese Sprüche in jeglichen Landessprachen und Abwandlungen auf sämtlichen Taschenkalendern lesen. „Lebe langsam“ – das Motto scheint allgegenwärtig. Und doch leben wir in einem Zeitalter, in dem sich trotz lauter Innovationen zur vermeintlichen Zeitersparnis alles darum zu drehen scheint, mehr Dinge in derselben Zeit bewältigen zu können als zuvor.

„Lass dir Zeit“, „Nimm dir einen Moment“, „Genieße den Augenblick“: In nahezu jeder Buchhandlung weltweit durfte ich nun diese Sprüche in jeglichen Landessprachen und Abwandlungen auf sämtlichen Taschenkalendern lesen. „Lebe langsam“ – das Motto scheint allgegenwärtig. Und doch leben wir in einem Zeitalter, in dem sich trotz lauter Innovationen zur vermeintlichen Zeitersparnis alles darum zu drehen scheint, mehr Dinge in derselben Zeit bewältigen zu können als zuvor.

Ist dieser ganze „Lebe langsam“-Kram deshalb Quatsch und bloß Augenwischerei?

Zumindest ist er in erster Linie beruhigend für unser Gewissen, so viel steht schon einmal fest. Immerhin startet es sich mit einem ausgeschmückten Kalenderspruch in 20x20cm-Format wesentlich besser in den Tag als ohne. Auch wenn wir beim Lesen unseres Spruchs des Tages die Tasse Tee in unvergleichlich schnellen Zügen herunterstürzen und in der linken Hand schon unseren Autoschlüssel bereithalten. Langsam leben… Das wäre mal was!

Und es ist auch gut zu wissen, dass langsam offensichtlich gesund ist. Oder vielleicht sogar im Trend. Immerhin gibt es in sämtlichen Großstädten an nahezu jeder Ecke ein Slow-Food-Restaurant, das diese These auch noch stützt. Und natürlich: Dort gehen wir oft essen! Zumindest am Freitag. Wenn die Hektik der Woche vorbei ist. Wenn die To-Do-Liste vielleicht nicht kürzer aber anders geworden ist und die Arbeit sich dennoch stapelt, wenn auch mit anderen Inhalten. Dann ist erst einmal Wochenende. Zeit für Slow-Food – oder für sonst etwas, was uns herunterbringt. Immerhin ist Freitag. Jetzt ist Zeit.

Doch leider – so schön dieser Trend auch sein mag – ist er nur Mittel zum Zweck. Denn futtern wir Slow-Food, tun wir dies nicht bloß, um nächste Woche noch schneller zu sein? Um einmal herunter zu kommen – und nächste Woche noch mehr Power zu haben? Wir essen „Slow-Food“ nicht, um zu genießen. Wir wissen überhaupt kaum noch, was wahrer Genuss überhaupt heißt.

Wahrer Genuss hat rein gar nichts mit Hektik oder Beschäftigt-sein zu tun. Nicht im Geringsten.

Wahrer Genuss ist, wenn ich morgens aufstehe und mich auf die Terrasse stelle, um die klare Morgenluft zu schnuppern, die noch nicht von den Autos verpestet wurde. Wahrer Genuss ist, sich in Raum und Zeit zu verlieren und die kleinen Dinge der Welt wahrzunehmen. Wahrer Genuss ist, wenn ich mich in mir selbst verlieren kann und die To-Do-List links liegen lasse. Weil ich weiß, dass ich niemals schnell genug sein werde und dass immer wieder etwas Neues auf mich zukommt, wenn ich haste.

Langsam leben – dieser plakative Ausdruck – heißt nichts anderes als Momente genießen. Sich nicht treiben lassen, nicht in Extreme verfallen. Sondern zu schätzen wissen.
Das eigene Leben und die eigene Zeit, die ich bereits verleben durfte, sowie die, die mir noch bleibt.

Und genau deshalb schaffen es nur noch die Dinge auf meine To-Do-Liste, die ich selbst dann tun würde, wenn ich innerhalb der nächsten zwei Stunden sterben würde.

Ich lebe langsam. Oder versuche es. So gut es geht.


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