Die Krone der Schöpfung

Es gibt Menschen, die glauben an Menschen. Und dann gibt es Menschen, die glauben an Orte. Und dann gibt es mich, ich glaube an die Kombination.

Ich glaube, dass der allgemein gültige Glaubenssatz, den wir uns vorsagen, wenn wir unsere Traumreise nicht antreten weil uns entweder das Geld oder der Mut fehlt, Menschen seien wichtiger als Orte, nur eine bedingte Gültigkeit in sich trägt.

Ich halte es eher wie McCandless. Die Schönheit der Welt, das gar prachtvollste steckt auch in der Natur. Nicht zwingend in menschlichen Beziehungen. Und das ist auch ganz logisch.

Letztlich sehen wir all das, was wir sehen, durch unseren eigenen Filter. Wir nehmen wahr, was wir wahrnehmen möchten.

Wir sehen Liebespaare, wenn wir verliebt sind. Wir sehen blühende Wiesen und riechen taufrisches Gras, wenn wir die Natur zu schätzen lernen. Und wir sehen nicht den Leberschaden, sondern den Glücksmoment, wenn wir König Alkohol Einzug in unseren Körper gewähren. Wir nehmen wahr, was wir wollen. Und nicht, was ist.

Doch wirkt all das nicht tiefer? Impliziert diese Aussage nicht den Grundgedanken oder vielmehr die allgegenwärtige Wahrheit, dass die Schönheit der Welt, die die Menschheit wie die Natur umfasst, in allem wirken kann? Kann mich ein außerordentlich geformter Stein, der aus der Entfernung nicht auf sich aufsehend macht, beim näheren Ansehen nicht vollste Erfüllung auslösen, weil seine Struktur und seine Formungen die Wahrheit und Tiefe des Lebens widerspiegeln?

Ich glaube schon. Und jener Stein, jener noch so kleine Emporkömmling der Natur vermag mir so viel mehr über die Welt zu verraten, als ein jeder Kneipenkumpane um zwei Uhr nachts.

Ist also ein Ort, die Natur, eine Umgebung, das Universum als Ganzes, das sich zu spiegeln scheint in jedem Halm, in jedem Gestein, nicht gleichwohl so erfüllend, wenn nicht noch erfüllender, als der manipulierte und ferngesteuerte Mensch? Wohl möglich.

Liegt es aber nicht in uns Menschen, unsere Art zu verteidigen? Sehen wir uns nicht als Krone der Schöpfung? Vielleicht.

Doch möchte ich diesen Begriff anders werten, als es gewöhnlich der Fall ist. Denn nicht die Krone macht den König, sondern die Person des Königs, der König als solches. Wenn wir den Menschen in diesem Sinne als Krone bezeichnen – wer vermag diese Krone zu tragen?

Ich möchte behaupten, jener Träger sei Mutter Natur. All das, was uns umgibt, ist unser König. Den wir einst durch unsere stete Anwesenheit zu Krönen gedachten.

Wenn wir also die Krone der Schöpfung sind, sollten wir uns verhalten, wie es einer Krone gebührt – und dem König standesgemäß dienen. Und ihn nicht auf Biegen und Brechen entthronen.

Doch dazu – Gott bewahre – scheint der Mensch nicht fähig. Wir sind uns selbst am Nächsten – und nicht unserem König.

Vielleicht ist mir deshalb ein beseelter Ort lieber als ein in Größenwahn getauchter Mensch.


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