Dann bin ich doch sehr gern krank.

„Fang klein an.“ Unzählige Menschen fangen klein an. Man denke nur an den kleinen Mann, dem Klischee entsprechend und nicht aus der Rolle fallend. Wir alle fangen klein an.

Doch der Sinn besteht nicht darin, sich darauf zu fokussieren, klein zu beginnen. Da kommen wir nicht herum. Die Kunst ist der kleine Beginn Hand in Hand mit dem großen Gedanken. Dem großen Bild, dem großen Ganzen. Kleine Dinge zu tun, um große Dinge zu vollbringen. Ist das nicht der Sinn des „kleinen Anfangs“?

Wir machen uns viel zu wenig Gedanken. Über das, was wir reden, was wir von uns geben, womit wir Andere belasten und welche Konsequenzen und Bedeutungen all das hat, was wir tun. Was also passiert, wenn der gut gemeinte Ratschlag, man möge doch bitte klein anfangen und sich nicht maßlos überschätzen, Früchte trägt?

Ich glaube, dann bleiben verlieren wir uns im Mittelmaß. Dann verlieren wir uns in lästigen Situationen, unbedeutenden Momenten und finden uns mit unserem vorherrschenden Lebensstandard ab. Dann wird das Anfangen zur Endstufe. Klein begonnen, klein zerronnen.

Und es gibt viele kleine Menschen dort draußen. Denn niemand kommt drum herum, einmal klein anzufangen. Es gibt bloß jene, die klein anfangen und klein weitermachen.

Doch liegt das Wundersame des Lebens nicht im Exponentiellen? Eine exponentiell steigende Kurve beginnt auch bei Null – so wie wir alle.

Doch ihr wird nicht beigebracht, ihr Sein verlaufe linear. Im Gegenteil: Stück für Stück steigt ihr Wachstum um ein Vielfaches – während wir Menschen uns gegenseitig lehren, das Leben verlaufe in einer schlichten linearen Art und Weise. Und vielleicht tut es das irgendwann auch – wenn wir nicht rechtzeitig die Notbremse ziehen, bei Null anfangen und uns damit auseinandersetzen, dass unser Leben vielleicht „klein anfängt“, aber exponentiell verlaufen kann.

Wir sollten uns verabschieden vom Gedanken, dass wir Stück für Stück, Schritt für Schritt denselben Fortschritt oder Niedergang erreichen. Viel wichtiger ist doch, dass wir den Blick auf uns richten und nicht darauf spekulieren, den nächsten Schritt zu machen, um kontinuierlich zu wachsen. Sondern womöglich intuitive Umwege nehmen, falsch abbiegen, eine verkehrte Wahl treffen, die uns aber letztlich wachsen lassen und unseren Erfahrungsschatz nähren.

Denn ist es nicht jener Erfahrungsschatz, der unser Leben bereichert und von dem auch unsere Mitmenschen zehren? Es ist jener Erfahrungsschatz, der uns exponentiell wachsen lässt.

Exponentielles Wachstum bedeutet womöglich klein anzufangen, ja. Aber exponentielles Wachstum bedeutet eben jenes: Wachstum. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Einen linearen Verlauf unseres Lebens können wir zwar erwarten, dennoch ist er nicht sinnvoll oder gar lebenswert. Erst recht nicht dann, wenn wir klein anfangen.

Doch bewegt sich das Leben vieler Menschen wie die Bewegung des Aktienkurses, die niemand so wirklich gebrauchen kann: Seitwärts. Und linear. Wo kein Auf und Ab ist, ist kein Leben. Wo keine Schwankung entsteht, entsteht keine Veränderung. Und wo keine Veränderung besteht, dümpelt das Leben so vor sich hin. Es dümpelt und dümpelt und dümpelt.

Und irgendwann ist man tot. Bloß, weil man jenen Menschen Glauben schenkte, die einem unterbewusst die Garantie gaben, das Leben könne linear verlaufen – und das sei ganz normal.

Erich Fromm hat es einmal so schön formuliert, als er die Normalen unserer Gesellschaft als die Kranken und umgekehrt bezeichnete.

Ich glaube, diese Definition des Normalen deckt sich mit der Akzeptanz eines linear verlaufenden Lebens.

Und wenn Krankheit in diesem Sinne bedeutet, dass ein Leben exponentiell verlaufen kann…

Dann bin ich doch wirklich sehr, sehr gern krank.


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