Der Reisende und die runzlige Stirn

Häufig fragen mich Menschen, warum ich so viel reisen würde. Warum ich davon nicht genug bekomme. Und ob ich nicht irgendwann auch mal einen normalen Beruf erlernen und ausüben würde.

Meine kurze verneinende Antwort auf letztere Frage und die ausführlichen Erklärungen auf die vorangegangenen Fragen scheinen die Menschen zu schockieren.

Es scheint nicht auszuhalten zu sein, wenn jemand etwas anders macht, als es gewöhnlich der Fall ist.

Doch spannend ist zu beobachten, was im Anschluss passiert: Nicht selten endet das Gespräch vonseiten meines Gegenübers mit einem Stirnrunzeln und einem „Naja, wenn das mal alles gut geht. Ich weiß ja nicht. Aber ist ja deine Entscheidung.“

Warum ist das interessant? Nun ja, ich bin mir recht sicher, in jedem dieser Fälle eine strikte Ablehnung meiner Lebensweise zu spüren und eine zeitgleich in meinem Gesprächspartner innere Wut kochen, die für ihn undefinierbar ist, doch oftmals aus ungenutzten Chancen und unerfüllten Wünschen herrührt.

Diese ungenutzten Chancen sind für ihn in der Regel vergangen und bei jedem individuell. Die Wünsche hingegen könnte er sich immer noch erfüllen.

Viele Menschen, die ich in solchen Gesprächen erlebe, eröffnen hier und da ganz indirekt, dass sie auch gern einmal länger verreisen würden, aber…

Ja, das liebe Geld. Es ist der am häufigsten hervorgebrachte Grund. Doch bin ich mir recht sicher, dass dieser Grund nicht das primäre Hindernis ist.

Das primäre Hindernis ist meines Empfindens nach der Ausstieg aus dem alltäglichen Rhythmus. Denn wenn man diesen Ausstieg wagen würde, wäre man selbst jener, der sich erklären müsste und anschließend auf eine runzlige Stirn blickt.

So ist es viel naheliegender, Wünsche und ungenutzte Chancen zu unterdrücken, statt sie wahrzunehmen. Letzteres dürfte nämlich viel mehr Anstrengung bedeuten.

Ich weiß, dass all das aus meiner „jungen“ Position heraus leichter gesagt als getan ist – schließlich hängen an meinem Leben noch keine Kredite, Verpflichtungen und so weiter, die mich von meinen Wünschen abhalten würden.

Dennoch bin ich der Auffassung, dass ohne die Erfüllung jener Wünsche die Erfüllung des eigenen Lebens ausbleiben wird. Und daher der Ansicht, dass es die Pflicht eines jeden ist, sich die seinen zu erfüllen.

Vielleicht fühlst du dich gerade biet Lesen dieses Textes auf den Schlips getreten, zornig oder zum Nachdenken angeregt. Vielleicht erkennst du dich selbst oder jemanden aus deinem Umfeld. Was es auch ist:

Nutze die aktuelle Zeit zum Jahresende und definiere, was du dir für das nächste Jahr auf die Fahne schreibst. Ich wünsche es dir.


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2 Kommentare

    1. Danke, liebe Sonja! Selbiges gilt für dich – mach weiter so. Wenn du dich in deinem Job wohl fühlst und das für dich ein gutes System ist – lass dich nicht davon abbringen 🙂

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