Edge und Enten

Wir haben kein Netz. Nun gut, kein Netz ist übertrieben. Maßlos. Es herrscht „Edge“ in Frankreichs nördlichster Pampa. Das kleine „E“ am oberen Bildschirmrand des Smartphones verrät, was los ist.

Und dieses „Edge“ ist nicht gut. Zumindest heutzutage nicht. Ich erinnere mich gut an eine Situation in Hamburg: Gemeinsam mit meinem Bruder saß ich im Taxi. Wir passierten gerade das Hotel Hafen Hamburg zu unserer Linken und das Block Bräu auf der gegenüberliegenden Seite. „Wow, dieses Edge ist aber ganz schön schnell“, entglitt es mir damals, während ich auf mein Handy starrte. Mein Bruder blickte mich irritiert an. Ich muss vollkommen ahnungslos gewirkt haben. „Edge ist nicht gerade gut, Alex.“ Damals wie heute formuliert er so etwas stets gentlemanlike und zurückhaltend.

Früher war 3G der letzte Schrei. Unfassbar schnell, titelte man. Wie sich jedoch herausstellen sollte: Man titelte etwas vorschnell. Denn kurze Zeit später folgte LTE. Und mein vermeintlich schnelles „E“ wurde immer unbeliebter. Auch bei mir.

Zeitsprung. Heute. Ein paar kleine Runzler zeichnen sich jenseits der Augenbrauen in meine Stirn. Edge. Sowas aber auch. Kaum in Frankreich und dann das. Zugegeben: Man hätte es sich denken können. Spätestens als die letzten nicht renovierten Nachkriegshäuser im Beifahrerspiegel an uns vorbeizogen, hätten wir darauf kommen müssen. Die Anwohner legen keinen Wert auf Internet. Zumindest macht es den Anschein.

Aber darüber haben wir nicht nachgedacht. Sonst wären wir wohl kaum hier gelandet. Hier beschreibt übrigens genau den Ort, an dem ich gerade schreibe: Umgeben von seltsam und doch knuffig quietschenden Entenfamilien aller Art und einem grenzenlos verspielten Hund, der aus Versehen versenkten Fußbällen bis tief in den See hinein hinterher paddelt. Denn wo Enten sind, ist auch Wasser. Genau genommen vor und hinter unserem Schlafplatz. Einmal mit quietschenden Enten, einmal mit schnaufendem Hund. Und wir mittendrin.

Übrigens ohne Internet, um darauf zurückzukommen. Nur die ein oder andere Push-Benachrichtigung findet ihren Weg auf unsere Smartphones. Womöglich vollkommen zeitverzögert. Für digitale Nomaden könnte das glatt zum Verhängnis werden. Denn wo kein Netz, da kein Job.

Doch heute haben wir keine Wahl. Und so nötig haben wir’s dann doch nicht. Gerade Jasmin tauscht liebend gern jedes Internet der Welt gegen ein paar umher watschelnde Enten. Und ich bin froh, dass sie das tut. Dass trotz all der Digitalität noch ein wenig Liebe zum analogen Leben besteht. Dass die Natur und die Welt ihren Reiz nicht völlig verloren haben. Und ich bin froh, dass ich nicht anfange zu zittern, sobald kein Internet in der Nähe ist.

Immerhin geht’s uns doch gut. Und das sollte alles sein, was zählt.

Cheerio und gute Nacht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.