Er kam, sah und aß.

Wenn ich nich auf mich aufpasse, geht’s schief. Das trifft auf so ziemlich jeden Bereich meines Lebens zu: Arbeit, Sport, Ernährung, Kreativität, Lernen, und so weiter und so fort. Die Liste ist lang. Wenn ich nicht ganz besonders auf mich Acht gebe, driftet es aus der Bahn. In jede Richtung.

Zwar mag der ein oder andere Exzess hier und da angebracht sein, doch auf Dauer sicher nicht sinnig. Spannend ist allerdings, dass je mehr ich zu einer inneren Ruhe finde – insbesondere in asiatischen Ländern und Kulturen ist das der Fall – zu den immer gleichen Ansätzen komme.

Eine harsche Wendung zeigt sich diesbezüglich zunehmend im Bereich Ernährung. Ich erinnere mich gut, dass ich etwa zu dieser Zeit im vergangenen Jahr nahezu jeden, der mir über den Weg lief, zu bekehren begann. Über diese und jene Lebensweise. Einmalige gesundheitliche Ratschläge erteilte und mysteriöse Erkenntnisse vortrug, von denen ich nur am Rande hörte und nahezu blind Glauben schenkte.

Heute weiß ich es besser. Nicht, dass ich innerhalb eines Jahres die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte. Das wäre wohl die sinnigste Ernährung, die mein Körper seit Langem hätte erleben dürfte. Nein, ich weiß es auf andere Art besser: Die stetigen Belehrungen folgten einer Reihe an Anforderungen an mich selbst, die ich so schnell, wie ich sie stellte, gar nicht erfüllen konnte. Also begann ich, diese auszulagern. Du, iss einmal dies und jenes und du, probier doch mal dies oder das.

Heute, ein Jahr später, stehe ich erneut an diesem Punkt. Hadere erneut mit meiner Ernährung und bin scheinbar bereit, noch einen Schritt weiter zu gehen. Immer wieder ringe ich mit mir, diesen Schritt zu wagen. Veganer zu werden, wie es so schön heißt.

Doch dann bekäme ich nirgends etwas zu essen, würde mich von sozialen Gruppen ausschließen und einem unglaublich eintönigen Dasein trachten. Ob das stimmt?

Ich denke nicht. Erst kürzlich sprach ich mit einem Bekannten, der einen ähnlichen Weg gegangen sein muss, wie es mir wohl gebühren wird. Dass er keine Nahrung mehr findet, sei Bullshit. Und die wenigen Abstriche die er macht, mache er gern.

Argumentation abgeschlossen.

Und dann war da noch die Diskussion mit meinem Bruder in den Gassen Palmas. Jener war sich sicher, dass eine vegetarische Ernährung der bessere wie gesündere Weg oder gar ein Anfang sei, kommt er doch geschmacklich nicht von fleischigen Suppeneinlagen oder Hauptbestandteilen der Mahlzeit weg.

Interessant, denke ich. Etwas besser zu finden, aber dennoch anders zu handeln. Den altbekannten Gelüsten zu folgen, statt sich etwas Neuem zu öffnen. Tatsächlich war und ist das nicht kritikgeladen gemeint, ganz im Gegenteil. Heute – anders als vor einem Jahr – stehe ich reifer zu diesen Themen. Versuche nicht mehr, andere Menschen mitzureißen oder gar zu verändern.

Doch ich spüre, dass sich für mich etwas verändern darf. Oder könnte, wenn ich wollte. Sicher landeten wir heute nicht umsonst direkt vor unserer Haustür im wohl unbekanntesten Vegan-Lokal Hanois und genossen Drinks zu Dinner.

Irgendwie komisch, wenn man nach langer Zeit wieder beginnt, dem Leben zu lauschen und nicht blind drauflos lebt oder – in diesem Fall – futtert.

Der Körper kann sprechen. In verschiedensten Formen, Farben und Klängen. Ich glaube, man muss ihm nur lauschen.

Und schon bereue ich die Oreo-Kekse.

Spannende Tage. Spannende Tage.

2 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag ;).
    Ich bin gerade wohl auf einem ähnlichen Weg – zu mehr innerer Ruhe, Meditation usw.
    Früher habe ich das ähnlich gehandhabt. Ich wollte andere Menschen von meiner Ernährungsweise (vegan) überzeugen, aufgrund des Tierschutzaspektes und ließ dabei oftmals keine Graustufen zu.
    Heute hat sich da ein bisschen etwas geändert. Ich sehe es einfach lockerer. Denn alles andere setzt andere und mich nur unter Druck und das liegt mir einfach nicht mehr. So lebe ich hauptsächlich vegan, gestatte mir aber auch inzwischen vegetarische Ausnahmen.

    Ich denke Ernährung (auch als Lebenseistellung) und was man damit verbindet, ist einem steten Wandel unterzogen. Man kann andere Menschen hierbei nicht formen, man sollte sie so sein lassen wie sie sind. Wobei nichts gegen Denkanstöße spricht.
    Da muss einfach jeder seinen eigenen Weg finden ;).

    Lg und einen schönen Feiertag ;).

    1. Diese – ich nenn es mal 80-20 – vegane Lebensweise kann ich mir auch sehr gut vorstellen. Und die Art und Weise, Gott und die Welt mitziehen zu wollen, kann auf Dauer a. nicht funktionieren und b. nicht glücklich machen. Weder einen selbst, noch die „Bekehrten“. 😉 Ich glaube einfach, dass alles aus uns selbst kommen muss 🙂 Danke für deinen Kommentar!

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