Der König und der Hofnarr

„Gönnen ist ganz einfach“, spricht der König zu seinem Hofnarren. „Sieh her, hier habt Ihr einhundert Goldmünzen. Ich gönne sie dir und verlange nichts dafür.“

„Nun ja“, schmunzelt der Hofnarr und nimmt den Sack voll Münzen an. „Gönnen ist die eine Sache.“ – „Was meint Ihr?“, entgegnet der König beirrt.

Der Hofnarr wendet sich ab. „Wie fühlen Sie sich, mein König? Wie ist Ihnen zu Mute?“ Der König steht aufrechter Haltung. „Ehrenhaft, wie es sich für einen Mann meines Ranges geziemt. Immerhin machte ich Euch eine große Freude, ist es nicht so?“ Der Hofnarr dreht sich zu seinem Herren. „Bei aller Ehrfurcht, das zu wissen übersteigt Ihre Vorstellungskraft“, entgegnet der Hofnarr und legt den Sack voll Goldmünzen zurück in die Hand des Königs, „denn in Wahrheit gönnt Ihr nicht mir, sondern euch.“

„Wie könnt Ihr es“ – „wagen?“, fällt der Hofnarr dem König ins Wort. „Es ist ganz leicht, ich möchte es erklären. Schenkt mir ein paar Sekunden Eurer kostbare Zeit.“ Der Hofnarr dreht einige Runden durch des Königs Gemach und spricht: „Wenn Ihr gebt, ohne geben zu müssen, fühlt Ihr Euch einer guten Tat schuldig. Das ehrt Euch, eure Hoheit. Doch Gönnen ist nicht gleich Meinen.“ Der Hofnarr hebt den Zeigefinger an sein Kinn. „Würdet Ihr mich voller Wahrhaftigkeit meinen und nicht bloß Euer Gewissen erleichtern, so würdet Ihr teilen.“ Der König blickt mürrisch drein.

„Lasst es mich so formulieren“, spricht der Hofnarr, „ein Tropfen Wasser ist nichts für einen Durstigen, wenn jener, der gibt, in einem ganzen Ozean schwimmt. Nicht wahr? Und somit ist eines glasklar: Das Ziel eines Ehrenmannes ist niemals sein eigener Reichtum. Sondern Reichtum. Ist es nicht so, eure Hoheit?“

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