Neue Basis, Kapitel Eins

August, der Neunzehnte.

Morgen feiert meine Oma Geburtstag. Der zwanzigste August steht seit unzähligen Jahren verankert in meinem Kalender. Überlebte jeden Gerätewechsel, jedes Softwareupdate und alle sonstigen technischen Umstellungen, die schon die ein oder andere Datei verschluckt haben.

Nicht, dass es diese Erinnerung bräuchte. Doch gut organisiert ist gut organisiert. Und doppelt hält besser. Vier Augen sehen mehr als nur zwei. Und von der Hand geht’s in den Verstand.

Auffällig: Wenn’s um meinen Kalender geht, sind auch entsprechende Sprüche nicht weit.

Dabei sind die einzelnen Tageblätter längst nicht so vollgekritzelt, wie es noch vor einem Jahr der Fall war. Nicht, dass dort Aufgaben notiert gewesen wären. Bei Gott, nein. Pures Erlebnis. Reiserouten, Abenteuer, Exkursionen und überhaupt aller Herren Länder wurden im Eilverfahren mit blauer Tinte passgenau auf’s Papier skizziert. Schließlich wollen wir doch nichts vergessen, wenn’s drauf ankommt.

Organisation war dabei nicht allzu wichtig. Hauptsache, wir kamen an. Auch vier Tage in Island ohne Koffer, ohne Rasierer, ohne Kleidung und ohne Kulturbeutel überlebten wir problemlos.

Heute passierte uns all das nicht mehr. Wir sind organisierter geworden, planen akribisch und kalkulieren seit Neuestem sogar fixe Monatsmieten in unser Budget. Ja, der passionierte Blogleser wird gerade stutzig, wechselt für einen kurzen Augenblick die Zeile und beginnt den Abschnitt von vorn. Doch es stimmt: Wir zahlen Miete.

Warum? Weil wir uns ein Nest gemietet haben. Ein Nest zum Leben, überwintern, übersommern, überherbsteln und überfrühlingeln. Kurz: Wir sind sesshaft geworden.

Zumindest fast. Das Reisen geben wir selbstverständlich nicht auf. Immer wieder raffen wir uns zu neuen Ufern auf, erkunden die Welt und planen voraus.

Doch genau dort besteht der entscheidende Unterschied: Wir planen voraus. In Ruhe. Mit Weitblick. Das ist neu. Eindeutig.

Nebenbei fällt der Blick auf’s eigene Business plötzlich anders aus, als zuvor. Viel mehr Möglichkeiten und Zeitfenster öffnen sich, die wir zuvor gar nicht erkennen geschweige denn nutzen konnten.

Man könnte meinen, es sei insgesamt ruhiger geworden. Zumindest äußerlich. Innerlich plagen mich nun andere Gedankengänge, Sorgen, Wünsche und Träume. Wie das so ist im Leben. Sagt man doch so, oder?

Das Allerbeste jedoch ist: Die Ferne wird nun endlich wieder der Ort, der uns so reizt. Und genau dann ruft, wenn Abstand gesund und innige Nähe notwendig wird.

Ein Hoch auf die Sesshaftigkeit.

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