Nordfinnische Business-Gedanken

Ich schließe einen Tab in meiner Browserleiste. Das kleine Fenster samt seiner Titelzeile mit der Aufschrift „Buffer“ wird sein Dasein in wenigen Millisekunden vergessen haben. Nur die winzigen Spuren im Browserverlauf sind das Einzige, was von ihm übrig bleibt. Beim nächsten Mal würde man sich sicher an mich erinnern, doch er wäre nicht mehr derselbe.

Das nächste Mal aber ist noch weit entfernt. Gerade erst verfasste ich eine berufliche E-Mail und wünschte der Empfängerin ein schönes und erholsames Wochenende – wie es sich gehört. Die Frage bleibt nur: Warum gibt es diese klassischen Wochenenden für mich nicht? Zumindest momentan.

Sicher, sie kommen vor, ganz spartanisch. Diese befreiten, gedanklich unbelasteten Wochenenden samt seiner langen Mon- und Dienstage, die einfach nicht zu enden scheinen und keinen Anlass zum Grübeln geben.

Inzwischen sind sie jedoch selten geworden. Selbst hier, im tiefsten Walde Nordfinnlands, erreicht uns schnellstes LTE-Netz, jede Benachrichtigung aus sozialen Netzwerken und jede Meldung über Verkäufe unserer Produkte. Nichts ist anders als irgendwo sonst auf dieser Erde.

Ich bin sicher: Selbst in der Antarktis gibt es mobiles Netz. Zumindest innerhalb der chicen 5-Sterne-Iglus.

Dennoch bereitet es mir Freude – und das Abstellen eines Denkprozesses gelang mir noch nie allzu gut. Zumindest dann nicht, wenn er zielführend zu sein scheint. Denn genau das ist momentan der Fall: Das, was oftmals als leidige Arbeit interpretiert wird und gemeingültig zur vermeintlichen „Urlaubsreife“ beiträgt, die man nur allzu gern vorgibt, um aus seinem Alltag zu fliehen, erfüllt mich derzeit eher, als dass es ermüdet.

Selbst intime Saunagänge in trauter Zweisamkeit erfreuen sich steter Begleitung intensiver und tiefgründiger Business-Ideen und bedürfen des intensiven Austauschs darüber. Es macht einfach Freude.

„It will always be there – everywhere you go. No matter if you’re on fuckin‘ holiday or at home: You’ll never be without.“ So oder ähnlich hörte ich es erst kürzlich von Gary Vaynerchuck aus meinem iPhone grölen, als er über erfüllende Business-Gedanken philosophierte.

Und tatsächlich wird er wohl Recht behalten: Nichts ist mehr so, wie vor anderthalb Jahren. Kein befreiendes Reisen mehr. Schließlich gibt es nichts, von dem ich oder wir uns noch befreien wollen würde oder würden.

Und so wird auch das bezaubernde wie verzaubernde Finnland zu einem vielschichtigen Abenteuer: Zwischenmenschlich, naturell und geschäftlich.

Spannend, welch kreativen Gedanken solche Ortswechsel mit sich bringen.

Ich hoffe auf Nordlichter.

 

Viele Grüße aus dem Iglu,

Alex

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