Mai 24

Fernweh & Gemütslagen

Es vergingen zwei Jahre, die wir fest verwurzelt, daheim verbrachten. In einem zu Hause, das wir uns selbst ausgesucht und zu jenem gemacht haben. Unsere gemeinsame Kreativität, eine Schnittmenge unseres Geschmacks und allerlei Ideenreichtum stecken in diesen Wänden. Man könnte sagen, wir hätten es uns gemütlich gemacht.

Gemütlich. Sagt man stets so schön. In letzter Zeit denke ich oft darüber nach, was gemütlich für mich bedeutet. Für mich persönlich meint es nicht bequem, keine Konstanz, wenn ich genauer darüber nachdenke.

Einen Gedanken daran zu verschwenden, was meinem Gemüt entspricht, kann Tage und Wochen andauern, wie ich momentan lerne. Und Gemüter verändern sich. Das macht die Sache nicht leichter. Und sie können beruhigt werden. Gewohnheiten zum Opfer fallen.

Was also entspricht meinem Gemüt? Was bedeutet für mich gemütlich?

Nach zwei klassisch deutschen Jahren treibt es mich langsam, aber sicher, wieder hinaus in die Welt – so viel spüre ich inzwischen klar und deutlich. Doch entspricht das langfristig dem, was ich mir vorstelle? Oder kann ich überhaupt langfristig planen, ohne alle paar Jahre von A nach B zu springen? Ohne konsequent die Seiten zu wechseln und einen anderen Lebensstil anzupreisen?

Eine Sache, die ich gelernt habe und die auch mich entspannt: Ich sollte andere Menschen in diesen Mix aus Abenteuersehnsucht, Lebenswandel und Kursänderung nicht hineinziehen. Vielleicht existiert für mich diese lebensstilistische Konstanz nicht – für Andere dafür umso mehr.

Und was für mich gemütlich bedeutet, wäre für andere Menschen höchstanstrengend, beängstigend und nicht ihrem Wesen entsprechend. Das, was ich als aufregenden Lebensstil definiere, wäre für andere Menschen nichts als purer Stress.

Gemütlichkeit hat also nichts mit Bequemlichkeit oder dem klassischen Nichtstun am Hut. Im Gegenteil: Meinem Gemüt scheint es zu entsprechen, Dinge zu entdecken und Risiken zu wagen. Auf verschiedensten Ebenen.

Zwei Jahre voller häuslicher Konstanz sind wunderbar, wenn ich darauf zurückblicke. Doch die gelegentlichen Ausbrüche voller neuen Erfahrungen, fremden Menschen und sehenswerten Orten machen für mich den Unterschied.

Und wer weiß: Vielleicht macht es schlicht Sinn, dieses Verhältnis umzukehren: Im Abenteuer zu leben und die Konstanz als Insel der Ruhe zu nutzen, die jederzeit ansteuerbar ist.

Einen Versuch könnte es in wert sein.

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Über den Autor

World-Traveller & grenzenloser Optimist. - "Finde dein Glück in der Vielfalt der Welt."

Alex Schreiner

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