Januar 14

Innere Öffnung & äußerer Lockdown

Fast hätte ich diesen Text mit einem „Manchmal“ begonnen. Manchmal passierte dies, manchmal jenes – und wir Menschen können kaum etwas dafür. Uns maximal damit arrangieren. Und die Ruhe bewahren. Darin läge die Kunst des Lebens, hätte ich dem womöglich nachgeschoben.

Doch heute ist mir nicht nach dieser Art Text. Ich würde gern etwas Sinnvolles beitragen. Etwas Wohlüberlegtes. Doch vergesse sogar, die Anfangsbuchstaben mancher Nomen samt Umstelltaste einzutippen. Gerade musste ich sogar kurz googeln, ob die Umschalttaste wirklich Umschalttaste heißt.

Das Schöne ist aber: Ich habe mir abgewöhnt, an solchen Tagen das Handtuch zu schmeißen. Ich schreibe einfach weiter – in der Hoffnung, noch etwas Erträgliches zu Papier zu bringen.

Und tatsächlich ist es eine der Erkenntnisse dieser Tage: Meine innere Ruhe wächst von Tag zu Tag. Nicht, weil ich etwa lernte, meine Emotionen zu kontrollieren oder rund um die Uhr positiv zu denken.

Vielmehr, weil ich mehr oder minder „gelernt“ habe, dass im Grunde wenige der Dinge, die mich sonst in Rage versetzt hätten, diese negative Schwingung wert ist.

Im Grunde sind mir vielerlei Dinge egal geworden. Nicht egal im Sinne von verachtenswert. Dinge sind mir im Sinne des eigentlichen Wortursprungs gleich geworden. Es ist gleich, ganz egal, wie ich über Dinge im Außen denke, darüber spreche oder sie sehe.

Ich habe mir abgewöhnt, zu bewerten. Extreme Positionen einzunehmen. Oder auf das Wort anderer Wert zu legen.

Nicht im verkrampften Sinne – jenem, der von modernen Gurus unserer Zeit von Bühnen verkündet wird. Eher im wahrsten Sinne des Wortes – ich lege keinen Wert mehr darauf, was völlig Fremde über mein Handeln denken. Mein Werturteil liegt allein bei mir.

Nun könnte ich sagen, dass das Leben dadurch einfach leichter, gar befreiter würde und es sich so viel besser als vorher anfühlte.

Doch selbst das wäre gelogen. Ich weiß nicht, ob es besser oder schlechter als zuvor ist.

Es fühlt sich leichter an. Auf einer schwer definierbaren körperlichen Ebene. Ich fühle mich stärker, ruhiger, sicherer und damit wohler als zuvor.

Und ich übe mich unbewusst in Dankbarkeit. Gerade in Lockdown-Zeiten erwartete ich von mir, eine ungebremste Sehnsucht des Reisens wegen zu durchleben. Doch nicht einmal das Gegenteil ist der Fall.

Ich freue mich über die vergangenen Jahre in aller Welt. Akzeptiere eine intensive Verschnaufpause und ruhe regelrecht in mir, während ich meinen Fokus auf meine eigene kleine äußere und innere Welt lege.

Ich bin sogar dankbar für das vergangene Jahr 2020. Ich glaube, das letzte Jahr, das mich so grundlegend zum Nachdenken veranlasst und zu langfristiger Veränderung angeregt hat, war 2016. Vor fünf Jahren!

Eventuell ist da etwas dran an der Theorie, nach der man alle etwa zwei bis drei Jahren ein ganz anderer Mensch wird. Wer weiß. Vielleicht hat’s bei mir bloß etwas länger gedauert.

Meine Ansichten verändern sich, das spüre ich ebenfalls. Ich kann wenig dagegen tun. Das ist etwa so, als würde ein Löwenzahn durch ein Stück Beton wachsen, sodass der Beton kaum eine andere Möglichkeit hat, als nachzugeben.

Und hey: Ich treibe Sport. Täglich. Seit etwa anderthalb Monaten. Ein klasse Gefühl, das ich mir immer wieder selbst zu verdanken habe.

Das Beste aber ist: All das ohne Jahresziele, gute Vorsätze oder Ähnliches. Ich tu, spüre, denke oder fühle Dinge einfach anders, neu und langfristiger.

Mich treibt die Sorge, mich bald nicht mehr in meine Quarterlife-Crisis zurückziehen zu können. Vermutlich wird man so erwachsen, wer weiß.

Und wer ist das schon.

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Über Alex

World-Traveller & grenzenloser Optimist. - "Finde dein Glück in der Vielfalt der Welt."

Alex Schreiner

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