April 14

Vielleicht ja mit 26

Es ist Freitag, 10. September 2021. In etwa einem Monat zählt mein Leben sechsundzwanzig volle Jahre. Und das Siebenundzwanzigste lässt aller Voraussicht nach nicht lang auf sich warten.

Derweil liege ich im Bett, höre den Regen auf die Dächer prasseln und lausche unfreiwillig der Baustelle nebenan, die unserer Wohnung gefährlich nah zu kommen scheint. Zumindest, wenn man dem Geräuschpegel Glauben schenken möchte.

Ziemlich genau über meinem Kopf kochen die Nachbarn. Das Klirren der Teller und das Reiben der Löffel auf dem Topfboden sprechen eine deutliche Sprache. Manchmal schreien sie sich an, manchmal lachen sie, manchmal singen sie. Nur ihr Hund bellt im immer selben Ton. Ein mittelgroßer schwarzer Hund, der stets an meinem Unterschenkel schnuppert, wenn wir uns im Treppenhaus begegnen.

Und während ich hier so liege, Auftragsarbeiten abarbeite und Paris, das ich inzwischen fast wie meine Westentasche kenne, vor der Haustür wartet, frage ich mich:

Habe ich alles richtig gemacht? Wie geht’s eigentlich weiter? Warum sehne ich mich danach, manchmal Deutsch zu sprechen? Wie verläuft meine Selbstständigkeit in Zukunft? Welchem „Thema“, welchen Erfahrungen möchte ich die nächsten fünf Jahre meines Lebens widmen? Werde ich von den vielen Bildschirmen noch irgendwann blind? Warum trinke ich manchmal so gerne Bier und wenige Tage später wiederum überhaupt nicht?

Kurzum könnte man sich auch einfach fragen: Wer bin ich und wer möchte ich sein? Quo vadis, Alex Schreiner?

In Fachkreisen nennt man diese ständige Fragerei Quarter-Life-Crisis. Und das Traurige ist: Niemand nimmt sie so wirklich ernst, eine Antwort auf all die Fragen hat auch niemand – und schätzungsweise ist genau dieser teuflische Sachverhalt der Grund, weshalb die Fragerei niemals zu enden scheint.

Heute beispielsweise würde ich gern ein Haus mieten. Für sieben bis vierzehn Tage. Mitten im tiefen Bayernland, vielleicht ein kleiner Außenpool oder Schwimmteich anbei. Und das Vogelgezwitscher nicht zu vergessen.

Natürlich hält diese Sehnsucht ziemlich genau so lang an, bis ich, gemeinsam mit Jasmin, das Haus verlasse, in Paris‘ Gassen eintauche und erst gen spätem Abend mit zwei bis drei kleinen oder mittelgroßen bis großen Bieren im Schlepptau wieder auftauche. Ob wir uns den Abend hätten leisten sollen oder können, entscheide ich dann morgen – und stürze mich wiederum in Auftragsarbeiten.

Richard David Precht hat in seiner ersten Podcast-Folge, gemeinsam mit Markus Lanz (klare Empfehlung), einen schönen Gedanken in die Welt getragen: Dass Klarheit ein heute wahrhaft rar gewordener Wert sei, stünde gar nicht zur Debatte. Aufgrund der ständigen Neuigkeiten, die auf uns einprasseln und auf die wir zu reagieren haben, gar nicht verwunderlich. Doch dass auch klar sei, dass, wer „weniger in der Birne“ habe, schneller Klarheit fände, sei ebenso wenig ein Geheimnis.

Und, ohne mich als Jahrhundertgenie zu sehen, das ich sicher manchmal bin: Recht hat er.

Wer sich Gedanken über Gedanken machen kann, einfach, weil er es kann oder es gar für klug hält – zerdenkt die einfachsten Sachverhalte und schönsten Momente. Ich habe einmal ausprobiert, das nicht zu tun:

Beim Bummeln durch die Galeries Lafayette überkam mich die Freude an chicer Kleidung. Also kaufte ich, natürlich unter Adleraugen gleichender Beobachtung Jasmins, nach Herzenslust ein. Mit 1.200 Euro weniger als zuvor verließen wir die Galeries. Und gingen abends in eine Bar, um Experimental Cocktails zu verköstigen.

War viel Geld, tat aber gut. Und: Hab nicht drüber nachgedacht, fühlte sich gut an. Gott sei Dank, tat ich es! Und das, obwohl man es auch hätte zerdenken können: Eintausendzweihundert Euro kann man immerhin weiß Gott besser investieren, als in Kleidung. Das lernt man heutzutage schließlich von jedem vierzehnjährigen Finanzcoach.

Was man dabei allerdings nie lernt: Glücklich zu sein.

Früher genoss ich es ungemein, mit meinem besten Schulfreund Fußball zu spielen. Bolzen zu gehen. Anschließend eine Runde auf der PlayStation zu zocken und dann die Nacht durchzumachen. Zu reden. Über erste Freundinnen, die Schule und die Zukunft.

Und ja, wir konnten und wollten alles sein. Architekten, Fußballmanager, Tennisspieler, Sterneköche, Designer. Alles, einfach alles.

Heute, wir sehen uns immer noch in regelmäßigen Abständen, könnte man fast meinen, wir hätten fast alles sein können, entschieden uns dann aber, einfach irgendetwas Anderes zu sein.

Was ich damit zu sagen versuche: Ich glaube, wir, und damit meine ich logischerweise mich, überdenken so viele Dinge, bis sie einfach zu riskant erscheinen, keinen Spaß mehr bereiten, zu teuer sein könnten, zu viele Risiken bergen.

Oder, kurz gesagt: Wir lassen uns leiten von konsequenten Angstzuständen und versagen es uns selbst, Träume zu planen.

Schlimm genug! Und all das bloß aufgrund von Sicherheit, Geld, Status, Anerkennung, zu gründenden Familien, drohenden Risiken, Faulheit, Gewohnheiten, Meinungen von anderen Menschen und vielen individuellen Päckchen mehr, die jeder für sich schnürt, um sich vom Leben und der Eigenverantwortung, gelebt zu haben, abzuhalten.

Und nein, all das soll kein Bullshit-Bingo an Motivationsphrasen sein, die man sich auch auf dem nächsten Tobias Beck-Seminar aus der Birne schießen könnte.

Mir ist es durchaus ernst: Ich denke zu viel nach.

So, das mal als Punkt Numero Uno.

An sich sollte dieser Text in eine ganz andere Richtung fließen. Fast schon würde ich drüber nachdenken, das Endergebnis in verschiedenen Teilen zu veröffentlichen. Häppchenweise, „à la Rezo“. Wäre besser bekömmlich. Für die „Community“. Weil wir heutzutage ja allesamt eine Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege gleichend mitbringen und uns dennoch für die Krone der Schöpfung halten.

Glücklicherweise habe ich mich dagegen entschieden. Wer lesen möchte, wird’s schon tun.

Was führt uns also weg vom „Zerdenken“ der Dinge? Womöglich der genannte Status, die Anerkennung – und Instagram?

Letzteres ist ein Thema für sich. Jasmin hat ihre App kürzlich vom Smartphone gelöscht. Chapeau, würde ich sagen. Und „Bravo“, würde mir wohl Edward Snowden beipflichten.

Ich dagegen bin noch stolzer Besitzer und, selbstverständlich, ausschließlich sinnvoller Nutzer dieser epochalen Erfindung. NUR BERUFLICH NUTZE ICH INSTAGRAM. Damit das hier einmal klar wird.

Ist natürlich glatt gelogen, klingt aber besser und rechtfertigt den letzten Blick auf’s Smartphone vor’m Schlafen. Obwohl ich es natürlich besser weiß. Stichwort: „blaues Licht“. Ich weiß ohnehin vieles besser, als ich’s tu. Aber ich kann mich auch enorm gut vor mir selbst rechtfertigen – und das will gelernt sein.

Zurück aber zu Instagram. Wir halten also fest: Ich nutze es nicht beruflich. Bei Gott nicht. Selbstverständlich hat die SimplyFree Academy dort einen Account, den wir per in der Grauzone befindlichem Instagram Bot ganz wunderbar ausreizen. Aber:

  1. Macht’s mir keine Freude den einhundertsten Account zum Thema „Selbstständigkeit und Freiheitsbusiness“ aufzubauen und
  2. Habe ich diese ganze Selbstoptimierungs- und Mach-die-Kohle-Deines-Lebens-Szene überhaupt satt.

Mal ehrlich: Nicht ein „Mentor“, „Coach“ oder „Berater“, den ich bisher kennengelernt habe, lebt das, was er lehrt. Noch nicht einmal die PR-Agentur, die wir engagierten, konnte all das halten, was sie versprach. Noch nicht einmal die Lektorin, die sich mir annahm, konnte zügig genug arbeiten und Fortschritte erzielen.

Und ja, auch noch nicht einmal ich, die endgültige Krone der Schöpfung und der Bald-Millionär-weil-in-Kryptos-investiert, schalte meine Google Ads selbst nach eigener Vorlage, da ich schlicht zu viel nachdenke, um zum effektiven Ganztags-Arbeiten zu kommen.

So viel Grübeln sollte man an sich den Philosophen überlassen.

Zurück aber zur Money-Money-Szene auf Instagram: Ich hasse es jeden Tag auf’s Neue, mit meiner schnuckligen Akademie mit euch Napfnasen konkurrieren zu müssen. Wer mit 17 Jahren schon sechsstellig verdient, ist heutzutage offenbar keine Ausnahmeerscheinung oder Profi-Fußballer mehr – sondern einfach ein ganz normaler Business-Coach, der wie selbstverständlich auch Elon Musk noch einige Business-Hacks mitteilen könnte.

Das Schlimme daran ist, dass mein Instagram-Newsfeed durchtränkt ist von euch Weltverbesserern: Grüne Influencer, die natürlich nur die Umwelt im Kopf haben, Finanzgurus, die so viele Tipps auf Lager haben, dass wir im Grunde gar nicht genug Geld drucken können, so schnell, wie man es offenbar verdienen kann. Und die Motivationsgurus, die alle mit ihrer FUCKING Morning-Routine ach so glücklich in den Tag starten.

Freunde, meint ihr ernsthaft, euch würde jemand abkaufen, dass ihr nach drei Flaschen Champagner „auf euch“ am Vorabend morgens frisch zum Power-Yoga am Baggersee startet und die Natur in eurem Leben Willkommen heißt?

Grund genug eigentlich, Instagram zu löschen. Fast schon Grund genug, Kommunist zu werden. Aber: So schnell möchten wir ja nicht urteilen.

Immerhin bin ich kaum besser. Geld zu verdienen ist etwas Feines und all das auf Instagram zu zeigen, ist ein Spitzenflex. Fühlt sich auch bei mir nach dem dritten Schampus noch besser an. Manchmal könnte ich mich dafür zwar auch selbst ins Spülbecken tunken, aber geschenkt.

Best time to be alive, was?

Also, ernsthaft. Es ist doch die beste Zeit, um zu leben. Oder? Ich meine, wenn man sich ansieht, wie glücklich allein EINE MILLIARDE Nutzer auf Instagram sind, kann man vor lauter Glück und Gönnung doch nur lachend aus dem Fenster springen. Alle sind so glücklich, voller Lebensfreude und wissen, dass nur grüne Smoothies gut für sie sind – und für’s Wachstum der eigenen Followerschaft. Und nach dem 300g Steak. Und den drei Kugeln nicht-veganem Häagen-Dasz, seitdem Shindy davon rappt.

Außerdem sieht jede Pussy aus wie ein Macaron, jeder Amateur-Rapper hat bereits zu seiner eigenen Musik gefickt und fährt ’nen Bentley. Auf Pump, weshalb er in eine kleinere Zehnquadratmeterwohnung umziehen musste. Aber: Psst!

Gott sei Dank muss man nur die ersten Sätze in Bildform auf Instagram posten.

Thank you, next.

Und so sitze ich hier, bastle am nächsten Wenn, dann Reisen-Text und gebe mich offenbar ein wenig mehr Gesellschaftshass hin, als gesund sein dürfte. Wenngleich all das nicht böse gemeint ist. Und das Gendern habe ich natürlich auch nicht vergessen. Nur die Information am Anfang des Textes, die besagt, dass sich bitte alle 60 verfügbaren verschiedenen Geschlechter, zwischen denen man heute – Gott sei Dank – wählen kann, angesprochen fühlen. Darüber hinaus natürlich auch alle Menschen jedes, von mir aus auch selbst erdachten, Kontinents. Nicht, dass sich hier noch jemand ausgeschlossen fühlt.

Entschuldigt das kurze Ausufern. Wir kamen von der Quarter-Life-Crisis. Vielleicht ist das Ausufern aber auch en Symptom dessen. Oder die Nudeln, die ich zwischenzeitlich vertilgt habe, haben bereits ersten Einfluss auf meine Emotionen genommen.

Ersteres erscheint mir wahrscheinlicher. „Erscheint mir wahrscheinlicher“ ist auch so eine wunderbare Satzkonstruktion. Vermutlich würde nun ein „klarer Kopf“ fragen: „Hä, wieso?“

Und das ist nun tatsächlich nicht abwertend gemeint. Wirklich nicht. ABER MICH STÖRT DAS. Ich meine, das liest man doch schon: Erscheint mir wahrscheinlicher. Doppelter Schein. Klingt grauenhaft.

Doch genau das oben genannte Symptom, zuvor erläutert am wirklich sagenhaft passenden Beispiel Instagram, ist das Problem:

Ich zerdenke mich nicht nur, ich vergleiche mich. Ich maße mir an, anderer Menschen Leben neben das meine zu halten und zu bewerten, welches „gelungener“ ist. Die Maßstäbe sind dabei natürlich variabel – und die Quelle ist einzig und allein Instagram.

Wenn also das Vergleichen nicht wäre, wäre ich glücklicher? Geht es womöglich den meisten Menschen so – und das Löschen aller Apps oder gar das Wegwerfen des eigenen Smartphones würde Dinge erleichtern?

Steve Jobs hat seinen Kindern lange Zeit den Besitz von Macs, iPods, iPads oder iPhones untersagt. Und der Mann musste ja nun wirklich wissen, was er tat. Wäre womöglich mal sinnvoll, darüber nachzudenken. Welch Ironie.

Dennoch spuken weiterhin die Quarterlife-Crisis-Fragen durch meinen Kopf. Zeit, sich ans Werk zu machen.

Habe ich alles richtig gemacht?

Tja, sehr weit gefasste Frage. In Gespräche mit Gott habe ich einmal gelesen, dass man keinerlei Fehler machen kann. Und es fühlt sich echt gut an, mit diesem Gedanken durch den Tag zu gehen. In aller Regel versuche ich – oder bin zumindest verhältnismäßig bemüht – Dinge stets als Lektion zu sehen und dem Leben zuzuhören.

Bislang würde ich sagen: Wahrscheinlich ist am Ende alles sinnvoll, fühlt sich aber zwischenzeitlich echt scheiße an. Reicht das?

Wie geht’s eigentlich weiter?

Statistiken zufolge: Wie immer. Dass ein Mensch sich grundlegend verändert, ist so hochgradig unwahrscheinlich, dass es überflüssig ist, die Statistik hierzu überhaupt anzuführen.

Doch schade wär’s schon. Ich merke zumindest, dass sich etwas verändert. Beruflich. Udemy als Kursplattform wandelt sich, meine Einkünfte verschieben sich und setzen sich aus anderen Bausteinen als noch vor einem Jahr zusammen – und ich spüre mehr und mehr, dass ich eine kreative Veränderung benötige.

Ich hab’s ehrlich gesprochen satt, schnöden Auftragsarbeiten ohne intrinsischen Anspruch nachzujagen, nur um weiterhin gut honoriert durch den Tag zu spazieren. Am liebsten würde ich schreiben und sprechen. Nur wofür, über was und warum jemand dafür auch noch bezahlen sollte, ist mir noch nicht so ganz klar.

Wobei: Wenn ich mir den Beruf eines „YouTubers“ so ansehe, scheint das heutzutage kein Problem darzustellen. Und damit sind wir wieder am Punkt „Dinge zerdenken“. Willkommen zurück.

Warum sehne ich mich danach, manchmal Deutsch zu sprechen?

„Na, weil’s deine Muttersprache ist, Dummkopf.“ Ja, danke, Sauerland. Hab ich mir gedacht, dass du so antwortest.

Ist aber womöglich einfach Unsinn – auch hier kommt für mich die Gewohnheit ins Spiel. Genau so Lust hätte ich, Französisch zu perfektionieren und weiterhin zu sprechen. Mit unserem Sushi-Mann zu scherzen, unserem Barkeeper des Vertrauens mindestens zwei bis drei über den Durst zu trinken und französische Lieder zu singen und morgens beim Becker drei warme Baguettes zu kaufen.

Deutsch ist also mehr oder minder weniger anstrengend als Französisch, so einfach. Ist reine Faulheit.

Das mit der Muttersprache kommt vielleicht noch, sobald ich Vater bin.

Wie verläuft meine Selbstständigkeit in Zukunft?

Weiter, ganz einfach. Wie ich mich kenne, führe ich all das, was ich jetzt treibe solange weiter, bis sich aus heiterem Himmel eine neue Chance ergibt, etwas Anderes zu tun. So war’s ja auch am Anfang meiner Zwanziger. Da habe ich im Übrigen noch nicht so viel gedacht. War echt entspannt.

Welchem „Thema“, welchen Erfahrungen möchte ich die nächsten fünf Jahre meines Lebens widmen?

Weltenbummeln oder sesshaft werden – das ist hier die Frage. Sollte Jasmin aus Versehen schwanger werden – kommt ja bekanntlich in den besten Familien vor – werden wir ohnehin sesshaft. So gut glaube ich uns zu kennen.

Wenn aber nicht, packt mich doch gelegentlich die Sehnsucht nach „Heimat“, was uns zurück nach Deutschland führt. Blöderweise halte ich es dort einfach nicht lang genug aus, sodass wir recht zügig wieder unterwegs sein könnten.

Wenngleich ich zugeben muss: Einige soziale Kontakte fehlen mir wahrhaft, wenn wir unterwegs sind. Allen voran, zu guten Freunden. Dieser Kontrast wurde mir erst wahrhaft bewusst, als wir aus Münster wegzogen und zwischenmenschliche Routinen nicht mehr möglich waren.

Tennis spielen und Co. mit dir, David, war beispielsweise ein echtes Highlight. In Paris mehr oder minder unmöglich, sollten wir es nicht in absehbarer Zeit ins Finale der French Open schaffen. Wobei unser Potential selbstverständlich keine Grenzen kennt.

Werde ich von den vielen Bildschirmen noch irgendwann blind?

Davon gehe ich mal fest aus. Aber ebenso zähle ich auf die Medizin und ihre wunderbaren Methoden, um wieder einen Sehenden aus mir zu machen. Der Gedanke allerdings ist etwas erschreckend. Stören mich ja heute schon zahlreiche „Mouches Volants“ in meinem Blickfeld, hoffe ich, dass sich meine Augen noch ein wenig Zeit lassen oder durch ein paar gepflegte Safran-Tropfen wieder regenerieren. Man weiß ja nie.

Warum trinke ich manchmal so gerne Bier und wenige Tage später wiederum überhaupt nicht?

Wir lernen das Allermeiste in unserer Kindheit. Oder genauer: in frühen Kindheitstagen. Ich für meinen Teil erlebte meinen Stiefvater stets in den Hotels unserer Reisen an den schönsten Bars: Auf Dächern, in Hotel-Lobbies, am Strand oder einfach in einer kleinen Eckkneipe, die dem Hotel innewohnte. Nicht, dass er sich jeden Abend die Kante gegeben hätte. Aber ein abendliches Bier war nicht in Abrede zu stellen – und somit haftete ich an diesem Bilde. Geschuldet der Vorbildfunktion, die nun mal jeder Vater hat.

Obendrein trank mein Opa für sein Leben gern Bier. Und sich seinen Tod im Nachhinein durch, neben anderen, sicher schwerwiegenderen, Umständen, durch seinen Bierkonsum erklären zu müssen, wäre einfach zu schade.

Somit gilt auch hier: Mich vor mir selbst rechtfertigen – läuft.

Ach, und ein Satz sei dem letzten Teil der Frage noch gegönnt: Der Kater nach betrunkenen Abenden ist einfach schmerzhaft, was mich zu Sorgen um mein Gehirn führt – und das wiederum an mein Wissen über die menschliche Ernährung erinnert. Blöde Geschichte, diese leichte Schizophrenie.

Wer bin ich und wer möchte ich sein?

Ich bin Mitte Zwanzig, Smartphone- und MacBook-abhängig, ja, auch von Berufswegen her, spiele weniger Tennis, als ich gern würde, reise gern, komme gern heim, um festzustellen, dass ich wieder wegmöchte, bin gern kreativ, erlaube es mir aber nicht im kommerziellen Sinne und empfinde meine Generation nach langem Hin und Her als teils wahrhaft verachtenswert in seiner heuchlerischen Werteduselei, an die sich am Ende ohnehin niemand hält, da sich jeder – Überraschung – selbst am nächsten ist, was wiederum genau das ist, was wir an der Boomer-Generation kritisieren.

Blöderweise bin ich Teil meiner Generation. Und trage daran, da ich nichts zu ändern versuche, Mitschuld.

Außerdem koche ich gern Nudeln, da ich andere Gerichte nicht beherrsche, liebe französische Crêpes, obwohl ich Veganer bin, gebe Geld aus, bevor ich es auf unerklärliche Weise wieder verdiene und hätte gern langfristig eine Katze, was meiner Partnerin aber missfällt.

Quo vadis, Alex Schreiner?

Ich möchte zum Schluss kommen. Und das mit möglichst ernsten und bedachten Worten. Ich wäre gern ein Mensch, der nach seinen Werten lebt, sich von seinen Prinzipien aber nicht den Spaß am Leben verderben lässt. Jemand, der seine Talente einfach nutzt, ohne darüber nachzudenken, ob es wirtschaftlich sein könnte oder was jemand Anderes darüber denkt.

Ich bin gern selbstständig, werde dies weiterhin sein – nur sehne ich eine Branchenveränderung in eine kreativere und erfüllendere Richtung herbei.

Ich habe das Gefühl, durch meine Online-Kurse sei bereits alles gesagt, was ich klassisch beruflich beizutragen habe.

Und ich spüre, dass es Zeit ist, all das Gesagte oder Geschriebene, in die Tat umzusetzen.

Wer helfen möchte, ist herzlich Willkommen.

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Über Alex

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- "Finde dein Glück in der Vielfalt der Welt."

Alex Schreiner

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