Bangkok als günstige Wahlheimat?!

Bangkok, 12 Uhr. Inmitten der Mittagshitze stehen wir auf dem Golden Mountain und blicken über die Weite Bangkoks. Zumindest über das, was davon übrig ist. Denn Bangkok ziert bei all seiner Schönheit, Armut und seinen unübersehbaren Gegensätzlichkeiten eine große Gemeinsamkeit: Die leicht gräuliche Smogwolke, die sich Tag für Tag über die Stadt zu legen scheint.

Am Horizont flimmern vereinzelt Skyscraper auf, dicht vor unserer Nase drängen sich erhabene Tempel und verarmte fast ghettoähnliche Gegenden in unser Blickfeld. Von den dicht besiedelten Hochhaus-Gegenden ist hier nichts zu sehen. Erst, als wir gen Abend einer Restaurant-Empfehlung ins Face-Restaurant (eines der besten Lokale, die ich jemals kennengelernt habe) folgen, spüren wir das Herz des neuen Bangkoks pulsieren: Schnelllebig, wohlhabend und spritzig. So zumindest scheint mir die neue thailändische Welt, die hinter der mäßig sauberen Scheibe unseres Taxis an mir vorbeizieht. Was mir nun auf Dauer lieber wäre – das altehrwürdige aber auch ärmere Bangkok oder das neue hippe Szeneviertel – weiß ich noch nicht so genau. Eines dafür umso genauer: Bangkok hat Heimatpotential. Und Charakter. Vor allem Charakter.

Blick über Bangkoks Altstadt
Blick über Bangkoks Altstadt. Am Horizont zeichnen sich die Skyscraper des „neuen Bangkoks“ ab


Die Tempelszene: Von innerer Ruhe und murmelnden Mönchen

Dass Thailand bekannt für seine prächtigen und kulturell prägenden Tempelbauten ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Viel spannender dagegen ist, buddhistischen Mönchen beim Beten zuzuhören…

Wir alle kennen typisch katholische Kirchen: Setzen, Aufstehen, Beten, Setzen, Knien, Stehen, Singen, Hostie abholen, Beten, Stehen, Gehen. Das ist nicht als Abwertung des katholischen Glaubens zu werten, sondern soll lediglich der Verbildlichung dienen. Denn das, was in buddhistischen Tempeln abläuft, ist für uns Christen wie von einer anderen Welt: Die Mönche sitzen still. Fast schon in einer klassischen Meditationshaltung murmeln sie ihre Gebete vor sich hin, während sie ihren Blick ab und an in Richtung Buddha wenden. Bis dahin nichts, was uns staunen lässt. Doch das, was sich aus den Lauten des vermeintlichen Gemurmels ergibt, spürt selbst ein uneingeweihter „Zuschauer“: Eine vertrauend wirkende und von Sorgen befreiende Atmosphäre füllt den Raum. Keinerlei Zwänge, kein Du musst, keine vorgegeben Zeilen und kein Gebetbuch für diejenigen, die nicht möchten. Nur du und das, was du aus der Situation machst. Eine Situation, die wir aus katholischen Kirchen schlicht nicht kennen. Und eine Erfahrung, die ich dir unbedingt empfehlen würde!

Buddhistische Mönche beim Beten
Links: Buddhistische Mönche beim Gebet. Rechts: Besucherbereich.

Frische Luft? Ein Luxusgut.

Zugegeben, bislang sind wir nicht so wirklich weit aus Bangkok herausgekommen. Doch das mindert keinesfalls die folgende Feststellung: Bangkoks Luft ist alles, aber zu 95 Prozent nicht frisch. Die einzig „erfrischende“ Luft kommt aus der Klimaanlage, sofern eine solche vorhanden ist. Denn genau diese gilt unter den meisten Thais als echter Luxus…


One Night in Bangkok?!

Ich bin nicht so der Nachtlebentyp, leider wahr. Dennoch entpuppt sich Bangkok bei Nacht als ganz besonders bunter Haufen. Gerade der Wat Arun, eines der großen Wahrzeichen Bangkoks entfaltet erst bei Nacht seine volle Pracht. Was tagsüber kalkweiß und mit einem Muster von Omas Teeservice erscheint, zeichnet bei Nacht seine dunkle Fassade in den goldroten Sonenuntergang. Vielmehr fasziniert hat mich an diesem Ort aber sein Gesamtbild: Den Wat Arun umringt nämlich ein natürlicher Park, der sich mit dem ein oder anderen Nebengebäude des Tempels schmückt (siehe Bild unten). Mein Tipp an dieser Stelle: Überquert Bangkoks Chao Phraya (Fluss) und begebt euch kurz vor Sonnenuntergang in den Park des Wat Arun. Genießt es, es lohnt sich wirklich!

Sonnenuntergang beim Wat Arun
Der Park des Wat Arun beim Sonnenuntergang

Aber ist Bangkok wirklich so billig?

Knackige Antwort: Ja. Ob Essen, Getränke oder Flussüberquerungen… für europäische Verhältnisse jagt in Thailand bzw. Bangkok ein Schnäppchen das nächste.

Sogar das, was hier als Abzocke betitelt wird, gälte in Deutschland noch als superbillig. Oder wie würdest du es nennen, wenn dich ein Tuktuk-Fahrer für umgerechnet drei Euro einmal quer durch Bangkok fährt? Natürlich kann man nun auch argumentieren, dass ein Taxi (sofern es nach Taximeter fährt) mit maximal 70 Baht für diese Strecke erheblich günstiger ist, aber sind wir mal ehrlich: 1,84  Euro (entspricht 70 Baht) sind verdammt wenig! Klar, für dich als Reisender super, weil günstig, für den Fahrer allerdings ein Hungerlohn. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Taxifahrer bis zuletzt gegen die Nutzung des Taximeters wehren.

Wir haben es so unheimlich gut in Deutschland und allen anderen westlichen Ländern, sodass wenn wir einmal Urlaub in einem ärmeren Land machen, wir uns nicht über einen Euro mehr oder weniger beschweren sollten. Insbesondere dann nicht, wenn du dir hier einmal die wirklichen Armenviertel angesehen hast.

Natürlich gilt trotzdem: Lass‘ dich nicht über’s Ohr hauen. Probiere immer den günstigsten Preis zu verhandeln. Wenn dein Fahrer nett ist, zuverlässig und sicher fährt, gibst du ihm ein ordentliches Trinkgeld. Allein für 20 Baht Tringeld im Tuktuk liegt dir nahezu jeder Fahrer zu Füßen. Ich habe überhaupt noch nie so dankbare Menschen kennengelernt wie hier in Thailand.


Khao San Road: Ein Paradis für Schaulustige

„Einmal Thailand auf ein paar hundert Metern, bitte.“ So oder ähnlich muss wohl die Planung für die Khao San Road geklungen haben. Gut, etwas übertrieben, aber dennoch ein wahrer Kern: Wenn du schon immer einmal eine Heuschrecke oder einen Skorpion kosten, eine Thai-Massage für knappe drei Euro genießen oder dich für 10 Euro von der Erde schießen wolltest, indem du dich vollkommen zulaufen lässt: Das schaffst du hier innerhalb weniger Meter. Ein neues Outfit gibt’s außerdem zum Sonderpreis obendrauf! Und doch hat die Khao San Road etwas ganz besonderes an sich, fast schon einen kleinen Wohlfühlfaktor. Die Thais sind auch hinter ihren Verkaufsständen unheimlich nett und akzeptieren ein direktes und freundliches Nein zum Produktkauf ohne Probleme. Und: Koste einmal von den Frischen-Obst-Ständen oder von einer der Delikatessen am Spieß. Zwei Gründe: Erstens superlecker, zweitens supergünstig.

Wo geht’s also hin, wenn du dich in Bangkok günstig austoben möchtest? Genau, zur Khao San Road.

Khao San Road am Abend
Die Khao San Road am Abend


„Gold? Klar, da müssten wir noch was auf Lager haben!“

… Zumindest vor dem Bau des Großen Palasts, der sich im Herzen der Altstadt findet. Warum? Weil wir vor lauter goldenem Schein fast eine Sonnenbrille gebraucht hätten. Hier ist nämlich nicht nur der Palast an sich zu Hause, den du als Besucher leider nicht betreten darfst, sondern auch der „Vorgarten“, wie ich die Tempelbauten neben der königlichen Residenz gern  bezeichne. Und die haben’s echt in sich: Neben der königlichen Kapelle, die schon ein Prachtstück an sich darstellt, überbieten sich hier die Superlative: Von originalgetreuen Nachbauten von Ayutthayas Chedis – mit Blattgold überzogen versteht sich – bis hin zu pompösen Nebentempeln – mit Blattgold geschmückt versteht sich – und gigantisch großen Guardians – mit Blattgold verziert versteht sich – die die Tempel vor Dämonen schützen sollen, bleibt dir als Besucher mit viel Glück noch dein natürliches Augenlicht, wenn der gold’ne Schein es nicht vollkommen verblendet hat…

Machen wir’s kurz: Der Große Palast ist ein Muss, wenn du Bangkok besuchst.

Blick auf die vergoldete Kapelle des thailändischen Königs
Die Königskapelle beim Großen Tempel

Und, was meinst du: Ist Bangkok für dich einen Besuch wert? Ich glaube, dieses wunderbare und zugleich zum Nachdenken anregende Spektakel solltest du einmal in deinem Leben gesehen haben!


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